SIN-Info 1/20: Medien-Trends von Kindern und Jugendlichen

Möchten Sie in wenigen Sekunden lernen, wie man ein Glas aus einer Wasserflasche herstellt? Oder wie man ganz einfach eine Gruppenmahlzeit für eine Party kocht? Wenn ja, haben wir für Sie die Infos, um ganz einfach auf Tausende dieser Videos zuzugreifen oder sie auch selbst zu erstellen. Vielleicht würden Sie auch lieber eine Runde Rocket League spielen oder entspannt einen Podcast auf dem Sofa oder beim Aufräumen hören. Diese Themen stehen unter anderem heute im Fokus unserer SIN-Info (1/2020) zu aktuellen Medien- und App-Trends, mit der wir in unregelmäßigen Abständen neue Dienste und Entwicklungen vorstellen. Wir möchten Sie als Eltern und pädagogische Fachkräfte auf dem neuesten Stand halten, welche Apps und Dienste von Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Sie müssen die Anwendungen und Anbieter nicht alle selbst nutzen, aber Sie sollten wissen, was auf den Geräten der jungen Generation so vor sich geht.

TikTok

Zurück zur Wasserflasche und den Partysnacks: Unter anderem diese kurzen „Life Hack“-Videos machen TikTok so beliebt. Zur Erklärung: Ein „Life Hack“ ist eine kurze Idee oder Bastelei, die das Leben einfacher machen soll. Ein momentan stark kursierendes Video ist die oben genannte Wasserflasche die man in ein Glas verwandeln kann. Man tränke eine Schnur in Aceton, wickle sie um eine Flasche aus Glas und zünde das Ganze dann an um es anschließend in ein kaltes Wasserbad zu tunken und die Flasche so gut wie mühelos zu brechen. Ein bisschen die Kanten abschleifen und schon hat man angeblich ein tolles DIY (Do It Yourself)-Glas.

Andere Features und Kategorien der App TikTok sind u.a. eine Karaoke Funktion, Tanztutorials oder Kunstwerke, deren Erschaffung im Zeitraffer gezeigt wird. Sogar Menschen aus aller Welt, die kostenlose Sprachkurse geben und die geläufigsten Floskeln in ihrer Landessprache erklären, zusammen mit den Life Hacks und etlichen weiteren Kategorien tragen alle zum bunten Video-Potpourri bei, das sich auf TikTok befindet.

So schön und fröhlich sich das ganze anhört, gibt es natürlich auch Schattenseiten. TikTok kommt aus China, ein Land, in dem Zensur und Diskriminierung auch heute noch an der Tagesordnung stehen. So werden zum Beispiel verschiedene religiöse Inhalte, sei es ein Video oder ein Mensch in traditioneller Kleidung, LGBTQ+-Personen und deren Videos rigoros gelöscht und Profile gesperrt. TikTok vertritt nicht unser Verständnis von Meinungsfreiheit, sondern bezieht sich dabei auf die in China geltenden Gesetze und den Jugendschutz. Auch in Punkto Datenschutz und Überwachung gelten chinesische Maßstäbe, die von den europäischen Vorstellungen weit entfernt liegen.

Kidfluencer

Influencer haben sich in den letzten Jahren als populäre Werbemittel etabliert. Auf Instagram, YouTube und Co präsentieren sie sich in ihrer perfekten Scheinwelt mit den Produkten ihrer Werbepartner. Eine relativ neue Sparte an Influencern sind die sogenannten „Kidfluencer“, also Kinder als Influencer. Es handelt sich dabei um Kinder, die teils schon vor ihrer Geburt von ihren Eltern zu Influencern gemacht werden. Ein bekanntes Beispiel aus Deutschland ist die neunjährige Miley mit ihrem YouTube-Kanal „Mileys Welt“, der von fast 1 Mio. Menschen abonniert wurde. Ein anderes Beispiel sind Lina (5) und Yasin (1 ½): Sie haben einen Instagram-Account, in dem sie perfekt aufeinander gestimmte Outfits von Luxusmarken präsentieren. Lina wirft sich in Pose und schaut mit Schmollmund in die Kamera. Gemanagt werden diese Kanäle von den Eltern, meist in Zusammenarbeit mit externen Agenturen.
Ob derartige Darstellungen und Verbreitungsformen wirklich kindgerecht sind, ist fraglich. Mileys Eltern haben sich freiwillig beim Jugendamt gemeldet, um zu klären, inwiefern das Filmen rechtlich erlaubt ist. Das Ergebnis: Miley darf an 30 vollen oder 60 halben Tagen im Jahr für maximal 4 Stunden pro Tag arbeiten.
Um dem Trend der Verbreitung und Vermarktung von Kinder-Aufnahmen ein wenig entgegen zu wirken, hat die Bloggerin Toya Diebel das Projekt #deinkindauchnicht gestartet. Damit möchte sie Eltern wachrütteln, die allzu leichtfertig mit Kinderfotos umgehen, und hinterfragen, wer solche Bilder von sich im Internet preisgeben würde.

Tellonym

Bei Tellonym handelt es sich um eine kostenlose App, mit der anonym Fragen gestellt und beantwortet werden, der Name ist eine Wortneuschöpfung aus dem englischen „to tell; sagen“ und dem deutschen Wort „anonym“). Tellonym ermöglicht auf einfachem Weg, Feedback zu erhalten und unterstützt dabei die Anonymität der Feedbackgebenden. Zuerst muss man allerdings sein Tellonym-Konto auf seinen Social Media Kanälen wie Instagram, Facebook und Twitter bewerben. Derzeit sind etwa 13 Millionen Nutzer im deutschsprachigen Raum aktiv (Stand: März 2019). Die Art dieser Applikation ist allerdings nicht neu, andere gängige Apps sind zum Beispiel Ask.fm oder Curious Cat. Eine praktische Funktion von Tellonym ist die – leider nicht unfehlbare – Blacklist, bei der die Nutzer bis zu 10 Wörter Bannen können und somit gewisse Fragen sofort ausgefiltert werden. Leider reicht es, einen Buchstaben zu verdrehen, um die Blacklist auszutricksen. Wichtig und vorteilhaft ist bei Tellonym, dass man nur die Inhalte sehen kann, die die Befragten teilen möchten.

Brawl Stars

Das Handygame „Braws Stars“ ist ein Echtzeit-Strategiespiel im Comic-Stil. Zum Spielen benötigt man einen oder mehrere Brawler, also Spielfiguren. Derzeit gibt es 32 verschiedene Brawler, die im Verlauf des Spieles und durch Rangaufstiege in der Liga freigespielt werden können. Zudem gibt es elf verschiedene Spielmodi, die sich nach und nach freischalten und die auch saisonell bedingt verfügbar sind, beispielsweise der Modus „Geschenkraub“, der nur zur Weihnachtszeit spielbar ist.

Hinter „Brawl Stars“ steht das finnische Entwicklerstudio Supercell, das bereits mit mobilen Games wie „Hay Day“, „Clash of Clans“ und „Clash Royal“ große Erfolge feiern konnte. Die Supercell-Nutzungsbedingungen sehen für „Brawl Stars“ eine Nutzung ab 14 Jahren vor, die USK stufte das Spiel mit einer Altersfreigabe ab 6 Jahren ein.

Rocket League

Rocket League ist ein Videospiel, dessen Prinzip am ehesten an Autoball erinnert. Es ist eine Mischung aus Fußball und Stockcar, in der man im Einzel- und Mehrspielermodus einen übergroßen Ball mit seinem Auto in das gegnerische Tor befördern muss. Es kann lokal sowie online und plattformübergreifend gespielt werden, also via PC und Konsole gemeinsam (sogenanntes Crossplay). Rocket League ist in der Liste der 20 erfolgreichsten E-Sport-Spiele mit 6,5 Millionen US Dollar an ausgeschüttetem Preisgeld.

Podcasts

Sie sind kein neues Phänomen, sondern werden bereits seit 20 Jahren online verbreitet, aber in den letzten Jahren erfreuen sie sich immer größerer Beliebtheit: Bei Podcasts handelt es sich um Audio Shows, die an Radiosendungen erinnern. Sie widmen sich für gewöhnlich einem gewissen Thema und sind in verschiedene Sparten unterteilt wie zum Beispiel einem Intro, Interviews und Musikpausen. Es gibt dutzende verschiedene Kategorien bei Podcasts, die sich oft aus einem Themenbeschreibendem Wort und „cast“ zusammensetzen, bsp. Astronomycast, Sportcast oder Educast= educationial Podcast. Angeboten werden Podcasts von Radiosendern, Presseverlagen, Streamingdiensten sowie unabhängigen Einzelpersonen und Podcast-Labels. Zu den bekanntesten Podcasts aus Deutschland zählt „Fest und Flauschig“ von Olli Schulz und Jan Böhmermann, doch auch alternative Formate und Edu-Podcasts erreichen eine wachsende Fangemeinde.

(zusammengestellt von Sophie Kraus)