SIN-Info 4/2013

Aktuelle Trends von Kindern und Jugendlichen

Foto: jfingas, flickr.com, CC-BY-ND 2.0

Kennen Sie den Spielaffen, Y-Titty und die Subway Surfers? Das sind aktuelle Medienphänomene, die unter Kindern und Jugendlichen weit verbreitet sind. Die Medienwelt der jungen Generation verändert sich permanent, die Trends und Stars haben nur eine kurze Halbwertszeit: So ist der Gangnam-Style, der zu Jahresbeginn die Charts anführte, heute längst wieder out, und auch das Netz-Phänomen „Harlem Shake“ war unter Jugendlichen längst ausgelutscht, als der Tanz im ZDF bei “ Wetten, dass..?“ vollführt wurde.

Wir möchten heute einen Blick auf aktuelle Medien-Trends der jungen Generation werfen und einige Produkte und Phänomene vorstellen, die nicht unbedingt „pädagogisch empfehlenswert“ sind, aber derzeit einfach angesagt. Sie sollten diese Angebote zumindest vom Hörensagen oder Lesen kennen, schließlich gehört es auch zur Aufgabe von Eltern und Pädagog/innen, die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen im Blick zu behalten. Da wir jährlich den „Pädi“ (Pädagogischer Interaktiv-Preis) vergeben und dafür kontinuierlich Medienentwicklungen beobachten, möchten wir Ihnen mit dieser Infomail einen Einblick in aktuelle Trends geben – aus der Praxis, für die Praxis, ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit.

Spielaffe.de

Gorillas spielen in der Mediengeschichte der jüngeren Zeit eine bedeutende Rolle: King Kong wurde ein Filmstar, Donkey Kong ist seit Jahren eine überaus populäre Computerspiel-Figur. Nun wird auch das Internet von einem beliebten Affen erobert: dem Spielaffen.
Unter www.spielaffe.de finden sich kostenlose Mini-Games, die bei Kindern sehr beliebt sind. Die Spiele können ohne Anmeldung online gespielt werden, die Seite finanziert sich über Werbung – was zugleich das größte Problem ist, da die Werbung oft sehr aufdringlich platziert ist und Werbebanner oder -PopUps oftmals versehentlich angeklickt werden.

Subway Surfers

Auf Smartphones jüngerer User findet sich – neben vielen anderen Spielen – oft auch „Subway Surfers“: Bei diesem Game spielt man einen jungen Graffiti-Sprayer, der erwischt wurde und auf der Flucht Straßenbahnschienen entlang rennt. Ziel ist es, möglichst weit zu laufen, ohne an Hindernissen oder entgegenkommenden Zügen hängen zu bleiben – ein simples Spielprinzip also, das auch von anderen Handygames wie „TempleRun“ aufgegriffen wird. Bei „Subway Surfers“ ist dieses Prinzip hervorragend umgesetzt, das Spiel setzt auf die Reaktionsgeschwindigkeit der User und ist schlichtweg unterhaltsam. Die App ist zudem kostenlos erhältlich.

WhatsApp

SMS war gestern, heute schreibt man WhatsApp-Messages. Diese Smartphone-App verschickt nicht nur Textnachrichten, sondern auch Fotos und Videos, und das zu einem unschlagbar günstigen Preis: Sie kostet nur 99 Cent im Jahr und verursacht (bei Daten-Flatrate oder im WLAN) keine weiteren Kosten. Von Datenschützern und IT-Experten wird das Tool massiv kritisiert, da es Sicherheitslücken gibt und das komplette Adressbuch ausgelesen wird, aber unter Jugendlichen ist diese App ein absolutes Muss und hat mittlerweile in der Beliebtheitsskala wohl Facebook den Rang abgelaufen. Weltweit gibt es derzeit 250 Mio. WhatsApp-User, täglich werden 27 Milliarden Nachrichten verschickt – beeindruckende Zahlen, die von Mobilfunkanbieter wegen ausbleibender SMS-Einnahmen nur ungern gelesen werden.

Instagram

Fotos sind ein Motor der jugendlichen Kommunikation und Selbstdarstellung im Internet. Niemand hat das so gut verstanden wie die Macher von Instagram, die zunächst nur eine kleine Foto-App für Smartphones entwickelt haben, mit deren Hilfe man die eigenen Bilder mit schicken Retro-Designs versehen und dann online veröffentlichen konnte. Diese App wurde bald von Facebook aufgekauft und seither verstärkt in Facebook integriert bzw. als eigenes Social Network etabliert. Neuerdings gibt es auch eine Videofunktion, mit der man max. 15sekündige Kurzclips in Retro-Look posten kann, und so wird das Tool von Jugendlichen, aber auch von Erwachsenen gerne genutzt.

Snapchat

Das Bewusstsein für Datenschutz und Datensparsamkeit wächst, auch in der jungen Generation, und so ist derzeit eine App populär, die ein Gegenangebot liefert. Mit Snapchat lassen sich Fotos an Freunde verschicken – allerdings werden diese Bilder bei den Freunden nicht abgespeichert, sondern nur kurz angezeigt (die Anzeigedauer lässt sich einstellen und beträgt max. 10 Sekunden). Danach sind die Fotos wieder gelöscht, so dass sie nicht vom Empfänger weitergegeben werden können. Es besteht lediglich die Möglichkeit, innerhalb der Anzeigedauer einen Screenshot von dem Bild zu machen – das erfordert jedoch ein bisschen Übung, zudem werden die Sender über den Screenshot informiert. Diese App greift also ein interessantes, neues Bedürfnis von Usern auf.

Tumblr

Weblogs sind nach wie vor ein Nischenmedium, da die Pflege eines eigenen Blogs mit langen Textbeiträgen sehr zeitaufwendig und anspruchsvoll ist. Tumblr hat das Weblog-Prinzip auf den Kopf gestellt und hat ein Blogging-System errichtet, das mit Anleihen aus Twitter und Facebook arbeitet: Die Blogbeiträge sind kurz und knackig, setzen mehr auf Fotos oder Videos denn auf Text, werden mit Hashtags versehen und kategorisiert. Zudem ist www.tumblr.com als Social Network konzipiert, bei dem ich mich mit anderen verbinde und Beiträge via Teilen- und Gefällt-mir-Button bewerten und weiterverbreiten kann. Diese Mischung verschiedener Netz-Nutzungsgewohnheiten beschert Tumblr derzeit steigende Popularitätsraten.

YouTube

Neu ist YouTube nun wirklich nicht mehr, der Dienst ist bereits seit Jahren das beliebteste Web-Videoportal und gehört zu den weltweit erfolgreichsten Online-Diensten. Neu ist jedoch, dass sich Jugendkultur zunehmend aus YouTube speist und in YouTube spiegelt: Es sind nicht nur die handgemachten Handyclips von Millionen Jugendlichen aus aller Welt, die ihren Alltag, ihren Sport oder ihre Hobbys unter www.youtube.com präsentieren, sondern es entwickelt sich zunehmend eine eigene YouTube-Kultur, von der viele Erwachsene überhaupt nichts mitbekommen. Einige erfolgreiche YouTuber können bereits von ihren Videoclips leben, zu den Webvideo-Stars in Deutschland zählen Musiker, Spieletester und Comedians. Mehr dazu im nächsten Punkt:

Y-Titty

Bitte was? Y-Titty, deren Titel die Anfangsbuchstaben von YouTube in einen pubertären Gag verwandelt, sind eine Comedy-Truppe, die wöchentlich einen neuen Clip veröffentlichen (www.youtube.com/ytitty). Diese Clips stellen meist Persiflagen auf aktuelle Songs, Filme oder Spiele dar, und diese sind zunehmend professioneller geworden: Videotechnik und Schnitt werden längst von externen Dienstleistern übernommen, auch das Marketing wird von einer professionellen Agentur durchgeführt. Y-Titty führen derzeit mit fast 2 Millionen Abonnenten die deutschen YouTube-Charts an, ihr beliebtester Clip wurde 16 Mio. mal angesehen – eine Quote wie zu Gottschalks besten Zeiten. Zu jedem neuen Clip gibt es einige Tage später die „Kom-Kom-Show“, in der die Stars die Kommentare ihrer Fans kommentieren, was wiederum bei YouTube veröffentlicht wird. Das kann man „Kundenbindung“ nennen, zumindest wird die Schwelle zwischen Star und Fan gesenkt – die Jugendlichen wissen das zu schätzen!

 

Info zum Pädi-Preis:

Das SIN – Studio im Netz kürt jährlich im November die Preisträger des pädagogischen Interaktiv-Preises „Pädi“, mit dem wir empfehlenswerte Multimedia-Produkte für Kinder und Jugendliche auszeichnen und Eltern aktuelle Empfehlungen an die Hand geben. Eine Übersicht über bislang ausgezeichnete Angebote finden Sie hier.

Die Preisträger des Pädi 2013 werden im November gekürt.