SIN-Info 4/2015:

vr-brille

Medien-Trends: Virtual & Augmented Reality

Die „virtual reality“ galt in den 90er Jahren als spannende Vision, war dann lange tot und erlebt heute neue Popularität. Ein gänzlich neues Phänomen ist hingegen die sog. „augmented reality“, die eine Erweiterung unserer erfahrbaren Lebenswelt ermöglicht. Zahlreiche neue Apps für Smartphones und Tablets laden zum Gestalten und Erkunden digital-realer Räume ein. Grund genug, um diese beiden Medien-Trends näher zu beleuchten und eine Auswahl interessanter Anwendungen vorzustellen.

 

Augmented Reality

Augmented Reality (deutsch: Erweiterte Realität) bezeichnet eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung; ein Trend, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Über ein Smartphone oder ein Tablet kann man mit verschiedenen Apps die Realität und die virtuelle Realität miteinander verknüpfen. Diese werden dann in 3-dimensionaler Ansicht dargestellt. Zur Anwendung kommt die Augmented Reality in allen möglichen Bereichen: In der Medizin ist so zum Beispiel eine Verschmelzung von der Realität und einem Röntgenbild möglich, in Museen und Ausstellungen bekommen die Besucher durch virtuelle Objekte zusätzliche Informationen, und beim Online-Shopping kann man durch eine Augmented Reality-App Kleidungsstücke anprobieren.

Auch in der Spielewelt kommt die Augmented Reality immer häufiger zum Einsatz. Die Medienpädagogik nimmt von diesen Apps Gebrauch, um mit der optionalen Verwendung von 3D-Objekten den kreativen Medienumgang zu fördern. Einige interessante Apps mit erweiterter Realität, die sich auch in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einsetzen lassen, sind beispielsweise Quiver, Aurasma und Toy Car RC:

quiver

Quiver (quivervision.com)

Mit der App Quiver lassen sich Tiere und Gegenstände von Papier zum Leben erwecken. Dazu lädt man sich die von der App vorgebebenen Vorlagen herunter, druckt diese anschließend aus, um sie dann auszumalen. Wenn man nun die App öffnet und mit der Kamera auf das Bild zielt, bringt man beispielsweise die Vorlage mit dem Bären zum Tanzen, den Fußballer zum Tore schießen oder den Vogel zum Herumstolzieren, und zwar in den jeweiligen ausgemalten Farben und der realen Umgebung. Die Idee, ein selbst ausgemaltes Bild digital zu animieren, ist faszinierend, und so lässt sich die App bereits mit Kleinkindern gut einsetzen. 2014 wurde die App Quiver (die damals noch colAR Mix hieß) mit dem Pädagogischen Interaktiv-Preis „Pädi 2014“ ausgezeichnet.

Aurasma (aurasma.com)

Wenn man ein Bild, Video oder eine Animation virtuell in die Umgebung einfügen möchte, ist die App Aurasma genau das Richtige. Zuerst wählt man hierfür das gewünschte Foto oder Video aus, schießt ein Foto von dem Ort, an man dieses verstecken will, und platziert es anschließend dort. Diese virtuelle Erweiterung wird auch Aura genannt. Sobald man nun nochmal mit der Aurasma-Kamera des Tablets oder des Smartphones auf die Aura zielt, erscheint das dort platzierte Foto oder Video. Neben eigenen Aufnahmen lassen sich auch vorgefertigte digitale Animationen einblenden.
Mit Aurasma lässt sich beispielsweise die Geschichte eines Ortes spielerisch erkunden oder es lassen sich neue Elemente zu einem Platz hinzufügen. Wenn man zusätzlich eine Smartphone-Rallye mit Wettbewerbscharakter gestaltet, kann das noch einmal die Motivation fördern.

Toy Car RC (toywheel.com/game/toy-car-rc/)

Mit dem virtuellen Flitzer Wheely kann man im eigenen Kinderzimmer, im Büro oder in der Umgebung, in der man sich gerade befindet, herumfahren. Damit das gelingt muss man zunächst zwei Zielbilder aus dem Umfeld festlegen. Beim Start mit dem einen Zielbild kann man durch das Schwenken des Smartphones oder Tablets durch den Raum (Umfeld) in der „Western World“ fahren, während man bei dem anderen Zielbild durch „Candy Land“ kurvt. So kann man den kleinen Flitzer beim Entdecken der verschiedenen Welten begleiten und mit ihm eine Menge Spaß haben.

 

Virtual Reality

Die Entwicklung von virtuellen Realitäten war bislang eher ein Thema für Nerds und Techies, scheint aber dank der Smartphone-Technologie neue Popularität zu erfahren. Die Technik ist erschwinglich, was zahlreiche Studios zur Entwicklung entsprechender Apps anregt. Eine bedeutende Rolle spielen in diesem Zusammenhang Videobrillen, die zwei einzelne Bilder vor den beiden menschlichen Augen anzeigen und dadurch ein dreidimensionales virtuelles Erlebnis generieren können (3D-VR). Diese Technik verwenden VR-Brillen wie „Oculus Rift“ oder „Samsung Gear VR“.

Neben diesen teuren Brillen gibt es aber auch eine preisgünstige Alternative, die gerade für die Medienpädagogik und Jugendarbeit spannend ist: Aus einem Pappkarton und einer entsprechenden Bastelanleitung lässt sich eine eigene Brillenhalterung basteln. Darin wird ein Smartphone als Display eingelegt, das mithilfe entsprechender VR-Apps eine stereoskopische Ansicht erzeugt. Dank der Smartphone-Sensorik ist auch eine Bewegungssteuerung möglich, um sich in der virtuellen 3D-Welt umzusehen. Diese Brillenhalterung wurde von Google unter dem Namen „Cardboard“ entwickelt und in zahlreichen Varianten adaptiert.

Ein medienpädagogisches Konzept dazu stellt „Mein Guckkasten“ von medien+bildung.com dar: Unter www.mein-guckkasten.de lässt sich eine kostenlose Bastelvorlage herunterladen, um eine Virtual-Reality-Brille aus Pappe zu basteln. Daneben finden sich auf der Website auch Methoden zum praktischen Einsatz der Brille und App-Vorschläge.

Viel Spaß macht beispielsweise die App Dive City Rollercoaster, bei der man das Gefühl hat, in einer Achterbahn zu sitzen – Schwindelgefühl inklusive. Durch das Bewegen des Kopfes in der Realität ändert man auch die Sichtweise im Spiel und kann sich die Umgebung ansehen oder auch mal rückwärts Achterbahn fahren.
Ein anderes Beispiel ist die App The Height: Um dieses Spiel zu starten und zu stoppen, richtet man seinen Blick zunächst auf seine Füße. Nun bewegt man sich in der virtuellen Realität, muss seinen Weg durch die labyrinthartigen Höhen finden und Items einsammeln.
Beide Apps sind für Android und iOS verfügbar und ermöglichen in Kombination mit einer selbstgebastelten VR-Brille einen erschwinglichen, aber faszinierenden Aha-Effekt.

Wir wünschen viel Spaß beim Erkunden der erweiterten und virtuellen Realitäten!