SIN-Info 3/2016

Medienprojekte mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

 

Das SIN – Studio im Netz hat zwei Medienprojekte für unbegleitete minderjährige Flüchtende konzipiert und realisiert, deren Ergebnisse wir Ihnen hier vorstellen.

In den letzten Monaten sind viele Menschen nach Deutschland geflüchtet, darunter auch viele Minderjährige. Es gab und gibt, neben vielen Negativschlagzeilen, auch eine große Willkommenskultur und den Willen, die angekommenen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltig zu unterstützen. Gerade in der Kinder- und Jugendhilfe sind tiefgreifende Erweiterungen vorhandener Systeme und die Erstellung neuer und angepasster Konzepte unerlässlich wichtig. Nur so können ein möglichst gutes Ankommen und eine erfolgreiche Integration gelingen.

Auch die Medienpädagogik ist hier mit effektiven Konzepten und kontinuierlichen Projekten gefragt. Welche Art von Medienprojekten mit welchen Programmen oder Apps für junge Geflüchtete interessant sind, variiert je nach Altersgruppe und Kenntnisstand.

Die mobilen Endgeräte fungieren in einer Fluchtsituation nicht nur als Alltagsbegleiter, sondern sind vor allem auch nützliche Hilfsgegenstände, die die Orientierung, das Verständnis und die Kommunikation erheblich erleichtern. Oft ist das Smartphone oder das Tablet die einzige Möglichkeit, mit Freunden oder Familie in der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben und sich auszutauschen. Aber auch am Ankunftsort dienen die Geräte dazu, sich zu informieren und einzuleben.

In zwei medienpädagogischen Projekten des SIN wurden diese Tatsachen berücksichtigt, um die Jugendlichen aktiv miteinzubinden und die Münchner Willkommenskultur zu stärken. Bei beiden Angeboten haben sich unbegleitete minderjährige Flüchtende mit verschiedenen Thematiken auseinandergesetzt (z.B.: Welche Infos benötigen ankommende Jugendliche? Welche Unterstützungs- oder Freizeitangebote gibt es vor Ort?). Auf diese Weise lernten sie auch die Stadt und die Sprache besser kennen. Im kreativen Umgang mit den Smartphones und Tablets wurde gleichzeitig die Medienkompetenz der Flüchtenden gestärkt.

 

BildungsrouteRefugee QR-Code-Poster

Um herauszufinden, welche Themen und Angebote für die Kinder und Jugendliche interessant sein könnten, haben wir diese in einigen Unterkünften direkt befragt und mit ihnen zusammen die wichtigsten Schwerpunkte herausgearbeitet. Die dazu gesammelten Informations- und Angebotsseiten im Internet lassen sich in vier Kategorien unterteilen: München, Deutschland, Freizeit und Organisation. Diese Links haben wir in QR-Codes umgewandelt und auf einem Poster zusammengetragen. Entstanden ist daraus das Refugee QR-Code-Poster mit über 30 wissenswerten und interessanten Seiten zu Sport- und Kulturangeboten, Listen mit Deutschkursen und Gotteshäusern, Medizin- und Rechtsberatung sowie einigen Videos zum Leben in Deutschland.
Da die meisten Jugendlichen eigene Smartphones haben, können sie mit ihren eigenen Geräten diese QR-Codes selbstständig aufrufen und die Links weiterverfolgen, die sie interessieren.

Dieses Plakat entstand in Kooperation mit Wohngruppen der hpkj (heilpädagogisch-psychotherapeutische Kinder- und Jugendhilfe e.V.) und den sozialpädagogischen Betreuer_Innen sowie dem IniKo-Projekt von Refugio.
Das Projekt wurde realisiert in Kooperation mit pomki.de, gefördert von der LH München, Stadtjugendamt, Sozialreferat, Jugendkulturwerk.
Das Plakat wurde bereits vielen Münchner Einrichtungen wie Flüchtlingsunterkünften, aber auch Schulen und Kitas zur Verfügung gestellt.

Das fertige Refugee-Plakat kann als JPG-Datei heruntergeladen und unter freier Lizenz genutzt werden (CC BY-SA 4.0-Lizenz), die Projektbeschreibung finden Sie hier.

 

MUC-Welcome-Logo_rgbmuc-welcome

Im Rahmen des kreativen Medienprojekts „muc-welcome“ arbeiteten jugendliche Flüchtende unter medienpädagogischer Anleitung mit der Augmented-Reality-App „Aurasma“, die kostenlos für Android und iOS erhältlich ist. Das Projekt lief zunächst unter dem Arbeitstitel „virtual graffiti“, da hier virtuelle Objekte hinterlassen wurden, die erst mithilfe der App Aurasma sichtbar werden.

Nach einer grundlegenden Einführung hatten die beteiligten Jugendlichen die Möglichkeit, die nähere Umgebung um ihre Einrichtung sowie wichtige zentrale Plätze Münchens aktiv selbst zu erforschen, sich untereinander auszutauschen und so die Stadt und die deutsche Sprache besser kennenzulernen. Die Jugendlichen konnten mit der App eigene Botschaften im öffentlichen Raum hinterlassen, angefangen von der eigenen Straße bis hin zum Hauptbahnhof oder Marienplatz. Diese können von anderen Nutzern dieser App vor Ort auch wieder abgerufen werden.

Bei der Auswahl und Erstellung ihrer Botschaften waren die Jugendlichen relativ frei. Manche hinterließen selbstgemalte Bilder, andere Textbotschaften in verschiedenen Sprachen (z.B. „Rassismus und ethnische Trennung verursachen Separatismus und Krieg“) oder auch Videos, die zeigen, wie sie in München angekommen sind oder was sie hier gut finden. Diese Botschaften richten sich an andere Neuankömmlinge in der Stadt ebenso wie an alle anderen in München lebenden. Um auch denjenigen mit schlechteren Deutschkenntnissen ein gutes Verständnis zu ermöglichen, nahmen die Flüchtenden die Botschaften in mehreren Sprachen auf. Der integrative Ansatz bereitete einerseits den beteiligten Jugendlichen viel Freude und Erfolgserlebnisse, andererseits hilft er einer großen Menge anderer Münchner Neuankömmlinge, sich in der neuen Stadt zu orientieren.

Um sich die Botschaften der Jugendlichen anzusehen, können Sie in der kostenlosen Aurasma-App den Channel „muc-welcome“ suchen und beispielsweise das Münchner Rathaus einscannen.

Wie man selbst Auras in der App erstellen kann, erfahren Sie in diesen Videos in deutscher und englischer Sprache. Zur Projekt-Website kommen Sie hier. Auch dieses Projekt wurde gefördert von der LH München, Stadtjugendamt, Sozialreferat, Jugendkulturwerk.

 

re:publica-Session

Auf der Internetkonferenz re:publica 2016 in Berlin wurden diese beiden Projekte näher vorgestellt. Die Session von Sonja Di Vetta ist als Audio-Datei zum Stream und Download sowie als Video verfügbar: