Rückblick 2013

Das war das Gautinger Internettreffen 2013

14. Gautinger Internettreffen:
Immer. Überall. Alles. Produzieren im Netz

Die Möglichkeiten für die Veröffentlichung eigener Medienprodukte sind durch die Verbreitung digitaler Produktionsmittel und Online-Publikationsmöglichkeiten enorm gestiegen. Produzieren im Netz, das können heute prinzipiell alle – dank mobiler Geräte passiert es immer und überall. Das 14. Gautinger Internettreffen widmete sich diesem Thema und erörterte am 19. und 20. März 2013 medienpädagogische Fragestellungen zu technischen, rechtlichen und praxisrelevanten Aspekten. (Das vollständige Programm finden Sie hier als PDF.)
Mehr als 100 Teilnehmer/innen besuchten das 14. Internettreffen, das vom Institut Gauting und dem SIN – Studio im Netz in Kooperation mit youthpart/IJAB e.V. und Wikimedia Deutschland e.V. veranstaltet wurde.

Die Eröffnungs-Keynote hielt Dirk von Gehlen, Leiter Social Media Innovation der Süddeutschen Zeitung und Autor von “Mashup – Lob der Kopie” und “Eine neue Version ist verfügbar”. Er veranschaulichte sein Verständnis vom Internet als sozialen Raum, als Dialogplattform und seine These von der „Verflüssigung“ der Kultur: Ähnlich wie bei Softwareprodukten schaffe das Netz die Möglichkeit, Kulturprodukte mit regelmäßigen Updates zu versehen, so wie das beispielsweise bei Enzyklopädien durch Wikipedia geschehen ist.

Johnny Haeusler (Blogger, Autor und Musiker) ging der Frage nach: „Wenn alle publizieren, wer hört dann noch zu?“. Dafür blickte er auf die Entwicklung des Internets in den letzten Jahren zurück und betrachtete v.a. Social Media-Angebote, die neue Publikationsmöglichkeiten bieten und daher eigene Online-Kanäle wie Weblogs in den Hintergrund drängten. Mit Blick auf die Macht großer Online-Konzerne formulierte Haeusler schließlich seinen Titel um und fragte: „Wenn alle publizieren, wer kontrolliert, was wir hören?“

Den zweiten Veranstaltungstag eröffnete Christoph Kappes mit seinem Vortrag zur „Ökonomie des Internets“. Er stellte heraus, dass alle virtuellen Vorgänge wirtschaftlichen Grundprinzipien unterliegen, zugleich aber die gesamte Ökonomie von der Digitalisierung beeinflusst wird. Zudem erläuterte er neue digitale Geschäftsmodelle und ihre Folgen. (Nachzulesen sind seine Ausführungen in dieser PDF-Datei.)

Mit jugendlicher Kreativität in der Cloud beschäftigen sich Jan Schmolling und Natália Wiedmann vom Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF). Sie präsentierten herausragende Beiträge zum Deutschen Jugendfoto- und Jugendvideopreis sowie zum deutschen Multimediapreis „MB21 – Mediale Bildwelten“. (Auch diese Präsentation kann als PDF heruntergeladen werden.)

Elly Köpf von Wikimedia Deutschland e.V., erstmals Mitveranstalterin des Gautinger Internettreffens, stellte ihren Vortrag unter den Titel: „Wissen verändern, verändertes Wissen“. Sie beleuchtete die Entwicklung von Lernprozessen, veränderte Formen des Wissenserwerbs und neue Kompetenzen, die beispielsweise zur Beurteilung und Einordnung von Informationen benötigt werden. Die Aneignung von Wissen wandle sich von der angeleiteten Ergebnisorientierung zu einer aktiven Prozessorientierung, aus Lernen werde somit zunehmend Wissensmanagement. (Ihre Vortragsfolien stehen ebenfalls als PDF zur Verfügung.)

Philipp Otto, Jurist und Journalist bei iRights.info, beschäftigte sich abschließend mit dem Urheberrecht und freien Alternativen. Er erläuterte die aktuelle Rechtslage mit Blick auf neue Entwicklungen im Internet und beklagte die oftmals komplizierten Regelungen, beispielsweise zur Verwendung geschützter Werke in Unterricht und Forschung. Mögliche Alternativen, um das geltende Urheberrecht in bestmöglicher Form zu nutzen, stellen beispielsweise das fair-use-Prinzip aus den USA oder das Lizenzierungsmodell „Creative Commons“ dar. Für den Bereich der Bildung und Erziehung sind OER (Open Educational Ressources) eine bedeutende und chancenreiche Lösung.

Große Aufmerksamkeit fanden die Impulse für die pädagogische Praxis:

Anna Groß von no-nazi.net (Amadeu Antonio Stiftung) informierte über Strategien von Rechtsextremisten in sozialen Netzwerke sowie über mögliche Gegenmaßnahmen.
Tobias Albers-Heinemann und Eike Rösch vom Medienpädagogik-Praxis-Blog präsentierten Online-Tools für die Medienproduktion (Ergebnisse im Doku-Pad).
Juuport.de, die Selbstschutz-Plattform von Jugendlichen für Jugendliche, wurde von den Scouts Adrian und Charice vorgestellt.
Über freies Wissen und freie Bildung informierten Elly Köpf (Wikimedia Deutschland e.V.) und Daniel Seitz (Mediale Pfade), hier das Doku-Pad.
Mit Audio-Apps zum Smartphone-Reporting und -Recording beschäftigten sich Danilo Dietsch und Stephanie Pickl von Q3.Quartier für Medien.Bildung.Abenteuer.
Das Online-Tagungshaus www.kollegiale-beratung.net wurde von Wolfgang Schindler, Studienzentrum für evang. Jugendarbeit in Josefstal e.V., vorgestellt.
Neue Möglichkeiten mit HTML5 beleuchteten Ronnie Seidl (SIN – Studio im Netz) und Max Schwachula (Münchner Kinderportal pomki.de)

Zudem erfolgte die Präsentation von Medienprojekten, die vom Stadtjugendamt München im Rahmen der Herbstausschreibung 2012 zum Thema „Kreativ im Netz“ gefördert wurden.

Das Abendprogramm wurde durch die Teilnehmenden selbst gestaltet: Im Showroom wurden acht gelungene Projekt und spannende Ansätze im Schnelldurchlauf vorgestellt. Zudem wurde ein audiovisueller Chillout angeboten, den DJ Chrizzlys und VJ Generation Gästeliste von „Mediale Pfade“ gestalteten. Der Creative Commons-Sampler steht hier zum Download bereit.

Ein Fazit zum diesjährigen Internettreffen, dass eine Teilnehmerin twitterte, lautet: „Man könnte fast von fachlicher, sozialer und kulinarischer Völlerei sprechen beim #git13“ (jugendnetz-berlin, @JNB_de)

Dem schließen wir uns an, bedanken uns bei allen Mitwirkenden und Teilnehmenden und freuen uns auf das 15. Gautinger Internettreffen, das am 25. und 26. März 2014 stattfindet.

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